Archives for December 2009

“Paralleluniversen betreffen viele Aspekte unseres Lebens”

David Deutsch ist ein kauzig-genialer Physiker an der Universitt Oxford und einer der grten Verfechter des quantenmechanischen Multiversums. Im diesem kurzen Interview, das er nach seinem letzten TED-Vortrag gab, erklrt er den Stand der Everett’schen Viele-Welten-Deutung der Quantenmechanik. Ungefhr zehn Prozent der Physiker glauben an sie, schtzt er, Tendenz “allmhlich aufwrts kriechend”.

Max-Planck-Forscher finden Multiversum

Galaxienkarte vom Max-Planck-Institut fr Astrophysik Schade, fr einen Moment sah es so aus, als htte das Max-Planck-Institut fr Astrophysik das Multiversum entdeckt. So klingt jedenfalls die Pressemitteilung der MPG-Zentrale (“Parallelwelten gehren eher ins Reich der Fiktion. Aber selbst serise Wissenschaftler beschftigen sich mit dem Multiversum – wenngleich in einem etwas anderen Wortsinn.”) Aber in Wirklichkeit geht es in dieser Forschungsarbeit nur um einen Ausschnitt unseres Universum, den die Forscher in 40 000 Versionen berechnet haben. Multiversum ist das nicht. Der Vorspann der Originalpressmitteilung vom Max-Planck-Institut ist da etwas prziser.

Das Bild zeigt den Querschnitt durch einen Ausschnitt des Universums, gemittelt ber 40000 Berechnungen, basierend auf Daten des Sloan Digital Sky Survey. Wir befinden uns rechts knapp auerhalb des Bildes. Je unsicherer die Rekonstruktion der Galaxienstrukturen ist, umso unschrfer das Bild. Die Breite des Bildes entspricht etwa 2,1 Milliarden Lichtjahren. Quelle: MPA

Woher kommt die Welt?

Multiversum in der Urania

Multiversum in der Urania

Lieber Berliner, vielen Dank fr die gute Diskussion in der Urania am vergangenen Freitag. Noch ein Nachtrag zu der Frage, woher die ganze Materie in unserem Universum kommt, die scheinbare Erschaffung der Welt aus dem Nichts: Mit der Dunklen Energie ist das keine Zauberei mehr. Dunkle Energie, glauben die Physiker, ist eine Eigenschaft des Raums, die Menge pro Volumen (die Energiedichte) ist konstant. Das bedeutet: Wenn sich der Raum ausdehnt, wird die Dunkle Energie nicht verdnnt, sondern vermehrt. Physiker haben ausgerechnet: Schon ein Klmpchen von zehn Kilogramm Dunkler Energie, verdichtet in einem winzigen Kgelchen, wrde whrend seiner Aufblhung so viel Energie hinzu gewinnen, dass sich das gesamte Inventar des Universums daraus materialisieren knnte. Woher kommt das Anfangsklmpchen? Das wre noch zu klren, aber das erscheint weniger rtselhaft als die Herkunft eines ganzen Kosmos.

Die nchste Lesung mit Diskussion findet brigens am 27.1. in Hamburg statt

Multiversum fr die Hosentasche

Das iPhone von Apple ist ein Handy und Helfer in allen Lebenslagen. Es kann per Echolot-Verfahren die Entfernung zur nchsten Mauer messen und liefert abends an der Bar in Echtzeit die passenden Anmachsprche. Und jetzt hilft es auch bei der Navigation durchs Multiversum: mit dem Programm Universe Splitter des amerikanischen Unternehmens Aerfish. Wer sich nicht zwischen zwei mglichen Weltverlufen entscheiden kann, tippt beide Mglichkeiten in sein iPhone, das dann, wie Aerfish erklrt, Kontakt mit einer Quantenapparatur in der Schweiz aufnimmt. Das iPhone wackelt und rattert fr einige Sekunden, nach vollzogener Weltenteilung informiert es seinen Besitzer darber, in welchem Weltenzweig er sich befindet.

“Die Funktionsweise dieses Programms ist in vollem Einklang mit der Viele-Welten-Deutung der Quantenmechanik”, sagt der amerikanische Physiker und Lebensknstler Garrett Lisi. Fr 1,59 Euro ist der Spa im iTunes Store zu haben. Nie waren neue Universen preisgnstiger.

(Vielen Dank an Sebastian Plnges und Stefan Sippell fr den Hinweis auf den Universe Splitter!)

4.12.: Multiversum in Berlin

Max Rauner

Max Rauner

Zur Erinnerung: Morgen, Freitag den 4. Dezember, erklrt Max Rauner in der Urania das Multiversum. 45 Minuten Vortrag, dann Diskussion. Beginn um 19:30. Wegbescheibung und Infos hier. Auch fr diejenigen geeignet, die Physik nach der 10. Klasse abgewhlt haben.

Wo leben wir eigentlich? Und wenn ja, wie oft? Kein Witz: Unser Universum ist nur eines von unendlich vielen, und jeder Mensch hat Doppelgnger in anderen Welten, manche gleichen uns bis aufs Atom, das behaupten serise Physiker. Bisher spielten Philosophen, Schriftsteller und Regisseure mit der Idee der Vielen Welten, jetzt erobert sie die Kosmologie. Steht unser Weltbild vor einem Umbruch wie zuletzt bei Kopernikus? Max Rauner erklrt den Stand der Forschung und geht der Frage nach, was das fr jeden von uns bedeuten knnte: Wer sind wir, wenn wir nicht mehr einzigartig sind? Werden wir unsere Doppelgnger jemals kennenlernen? Ist das Multiversum das Weltbild der Postmoderne?
Und gibt es noch einen Platz fr Gott?

Multi-, Pluri- oder Megaversum?

Michael Moorcock

Michael Moorcock

Wer hat eigentlich den Begriff des Multiversums erfunden? Auszug aus unserem Buch:

Die Wissenschaft nhert sich mit dem Multiversum der Grenze zur Fantasie, das zeigt sich schon die bewegte Geschichte des Worts “Multiversum”. Passend zu seiner Bedeutung wurde es mehrmals erfunden. Erstmals gedruckt erschien es im Jahr 1895. Der amerikanische Psychologe William James schrieb damals in einem Buch The Will to Believe: “Visible nature is all plasticity and indifference a moral multiverse, as one might call it, not a moral universe”William James: The Will to Believe. Dover, 1957 (Original 1895), S. 43 (etwa: Die sichtbare Natur ist beliebig und gleichgltig ein moralisches Multiversum, wenn man so will, kein moralisches Universum). James dachte nicht an eine Vielfalt von Welten, sondern an einen moralischen Pluralismus in einer einzigen Welt.

Seiner heutigen Bedeutung nherte sich das Wort “Multiversum” mit dem schottischen Hobby-Astronomen Andy Nimmo im Dezember 1960. Nimmo, damals Zweiter Vorsitzender des schottischen Zweigs der Britischen Interplanetarischen Gesellschaft, bereitete einen Vortrag ber Hugh Everetts Theorie vor. “Ich brauchte einen Plural, wollte aber nicht ‘Welten’ sagen, weil das in unseren Kreisen Planeten bedeutet”, erinnert Nimmo sich, “also erfand ich das Wort ‘Multiversum’ und definierte es als ‘ein scheinbares Universum, von denen eine Vielzahl das ganze Universum bildet’.” Nimmo verstand also Universum und Multiversum genau anders herum als wir heute. Irgendwie sickerte das “Multiversum” in englische Science-Fiction-Kreise ein, der Autor Michael Moorcock schnappte es auf, gab ihm seinen heutigen Sinn und brachte es in seinen Bchern unter die Leute.

Zu Moorcocks Lesern gehrte in den 1990er Jahren der Quantenphysiker David Deutsch von der Oxford University. Er verwendete den Begriff fortan fr Hugh Everetts Theorie fr das, was Nimmo “Universum” genannt hatte. Das Multiversum war in der Wissenschaft angekommen.