Archives for November 2009

Sie fliegen wieder

DSC00508Der Teilchenbeschleuniger LHC in Genf nimmt einen neuen Anlauf. Das knnte schlecht fr das Multiversum sein. Laut einer wissenschaftsoziologischen Theorie diskutieren nmlich nur deswegen so viele Physiker gerade ber Parallelwelten, weil ihnen interessante Daten von Teilchenbeschleunigern fehlen. Mit dieser Theorie ist es allerdings wie mit der Theorie vom Multiversum: Bislang noch reine Spekulation.

Auf dem Foto sieht man brigens die beiden Autoren auf Recherche am Cern im Jahr 2007. Daraus ist dann dieser Artikel entstanden.

Multiversum fr Fortgeschrittene

Explodierendes Universum von Andrei Linde

Explodierendes Universum von A. Linde

Das Multiversum die Theorie, dass es auerhalb unseres Universums unzhlige andere gibt polarisiert. Das Problem ist, dass die anderen Universen nach den bisherigen Vorstellungen unerreichbar sind, weil sich der Raum zwischen den Parallelwelten zu schnell ausdehnt. Ein Lichtstrahl wird niemals von einem Universum ins andere gelangen. Hauptstreitpunkt daher: Kann man mit dieser Theorie irgendetwas erklren? Macht sie irgendwelche Vorhersagen? Ist das noch Wissenschaft oder schon Esoterik?

Darber diskutierten unlngst die wichtigsten Kosmologen und Philosophen auf diesem Gebiet in Oxford. Dank des ausfhrlichen Blogs von Sean Carroll gibt es eine sehr gute Zusammenfassung der einzelnen Vortrge.

Einmal mehr wird deutlich, dass es in der Multiversums-Debatte nicht nur um ein neues Weltbild geht, sondern um die Grundsatzfrage nach der Grenze der Wissenschaft. Die Multiversums-Anhnger (Linde, Vilenkin) gaben sich alle Mhe, aus ihrem Weltbild Vorhersagen abzuleiten. Hier kommt das anthropische Prinzip ins Spiel: Es gibt unendlich viele Universen mit den unterschiedlichsten Eigenschaften. Eine Teilmenge erlaubt die Existenz von Leben. In dieser Teilmenge befinden wir uns. Knnen wir aus der Tatsache unserer Existenz Vorhersagen ber diese Teilmenge des Multiversums ableiten? Zum Beispiel: Welche Naturkonstanten und Naturgesetze mssen Universen haben, die Leben (Beobachter wie uns) ermglichen? Bis jetzt sind die Versuche nicht sehr vielversprechend. Vilenkin bemht sein Prinzip der Mittelmigkeit: dass wir total durchschnittliche Beobachter im Kosmos sind. Eine gute Arbeitshypothese, aber ebensowenig berprfbar.

Brian Greene unterscheidet zwischen unterschiedlichen Multiversums-Theorien und bringt das Argument, dass man das Multiversum akzeptieren kann, wenn die Theorie wenigstens fr unser Universum sehr gute Vorhersagen macht. Aber auch so weit sind die Physiker noch nicht. Carrol fasst Greenes Vortrag so zusammen: Can the multiverse be tested is an unanswerable question, because it depends on what kind of multiverse theory you actually have. E.g. if we live in some specific part of the string landscape, we could in principle probe details of the compactification manifold, to figure out which one it is. If there are bubble universes, we might observe collisions between bubbles. The landscape might predict relationships between observable quantities. Or, if you had a microphysical theory that you had tested well enough to accept it, and it predicted a multiverse, that would be a sensible conclusion to accept.”

Die grte aller denkbaren Naturkatastrophen

Wie wrde es aussehen, wenn unser Universum mit einem seiner Nachbarn kollidiert? ber diese Frage hat der Physiker Anthony Aguirre von der University of California in Santa Cruz nachgedacht. Die Grenze des anderen Universums kme wie eine Wand mit Lichtgeschwindigkeit auf uns zugerast. Nur dass hinter normalen Wnden dieselben Naturgesetze gelten, hinter dieser aber ganz andere. Das Ergebnis wre totale Zerstrung berall dort, wo die Universen sich berhren: “Wenn wir es in Zeitlupe beobachten knnen, wrden wir einen riesigen Spiegel auf uns zurasen sehen, weil die Wand das Licht reflektieren wrde”, sagt Aguirre. “Dann wrden wir nichts mehr sehen weil wir alle tot wren.”

Parallelwelt zu gewinnen

Das Frizz-Magazin verlost 6 Ausgaben unseres Buchs. Das schne daran: Email gengt.

Der Buchtipp im Wortlaut: “Willkommen im Multiversum! Sie werden auf eine interessante Expedition durch die Wissenschaftsgeschichte des Universum entfhrt. Der Grundgedanke dieses Buches ist, das unser Universum nur eines von vielen ist und jeder von uns in anderen Universen Doppelgnger hat. Eine unterhaltsame und originelle Philosophie fr jedermann. 288 Seiten, 14,95 Euro, erschienen im Piper Verlag. FRIZZ Das Magazin verlost 6 Bcher. Einfach eine Mail anheidelberg@smv-medien.de senden”.

Brotkrmel aus der Parallelwelt

Der CMS-Detektor beim Absenken in seine Kaverne (Foto: Katharina Sturm)

Der CMS-Detektor beim Absenken in seine Kaverne (Foto: Katharina Sturm)

Es luft schlecht mit der grten Maschine der Welt. Der Beschleuniger LHC bei Genf sollte eigentlich das Weltrtsel lsen, vielleicht sogar das Weltenrtsel also die Existenz anderer Welten aufdecken. Stattdessen eine Panne nach der anderen. Niemand spricht mehr ber Resultate. Alle nur noch darber, ob das Ding endlich funktioniert oder nicht.
Nachdem das Riesengert im September 2008 startete, war es nach einer Woche schon wieder kaputt Kurzschluss. Dann fiel die Khlung aus. Zuerst war von einem Tag Pause die Rede, jetzt dauert sie schon ein Jahr. Letzte Woche versuchten die Cern-Physiker mal wieder, ihr Zig-Millionen-Spielzeug in Gang zu setzen. Doch ein berfliegender Vogel lie einen Brotkrmel in ein Elektrizittshuschen fallen. Die Sicherung sprang raus. Also wieder nichts.
Vielleicht sollte man die Pannenkette nicht als Scheitern betrachten, sondern selbst als Versuchsergebnis. Als Hinweis darauf, dass nicht nur einen Weltverlauf gibt, sondern viele. Das Argument dafr hat englische Physiker John Gribbin formuliert: Dem LHC wird die Kraft nachgesagt, das Universum zu zerstren, etwa indem er allesfressende Schwarze Lcher erzeugt. Das gesamte Universum. Aber nicht das Multiversum. Andere Universen, in denen der LHC auer Betrieb ist, berleben. Oder umgekehrt gedacht: In einem Multiversum brauchen wir uns nicht wundern, dass wir diese ominse Pannenserie beobachten. Wrden wir sie nicht beobachten, dann wrden wir gar nichts mehr beobachten, weil wir nicht mehr da wren. Was wie unerklrlicher Zufall wirkt, hat im Multiversum eine natrliche Erklrung.
Es ist eine wste Spekulation, ja, aber wie sonst soll man sich die Zeit vertreiben, solange der LHC in Reparatur ist? Nchste Woche solls endlich rundgehen im 27-Kilometer-Tunnel. Vielleicht kann der LHC dann wirklich anfangen, nach Hinweisen fr andere Universen zu suchen. Falls nicht, ist es auch ein Hinweis. Multiversen-Verfechter drfen sich in einer Win-win-Situation fhlen.

Hohles Weltbild

Hohle Welt

Hohle Welt

Weltbilder gibt es! Der Hohlweltlehre zufolge leben wir im Innern einer Hohlkugel. Der amerikanische Arzt Cyrus Teed erfand sie im 19. Jahrhundert. Er stlpte die Welt um: Was vorher unser Heimatplanet Erde war, wurde zum Rand des Kosmos. Sonne, Mond und Sterne ziehen ihre Bahnen im Inneren der hohlen Erde. Die Vertreter der Hohlweltlehre mussten raffinierte Gesetze der Lichtablenkung und Lngenverkrzung ausklgeln, damit ihr Konstrukt nicht sofort in sich zusammenfllt.

Mehr zum Thema bei Mare bzw. Spiegel online